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Coronakrise: Felsklettern und Bergtouren

18 Mar 2020
Appell des DAV

Liebe Bergfreunde,

für die kommenden Tage ist gutes Wetter vorausgesagt. In normalen Zeiten würden wir jetzt Skihochtouren planen oder sonnige Kletterfelsen aufsuchen oder Frühjahrswanderungen in den "Hausbergen" unternehmen.

Angesichts der Corona-Krise appelliert aber der DAV eindringlich, keine Bergtouren zu unternehmen.

Es gibt triftige Gründe für diesen Appell, wie z. B. die Vermeidung von alpinen Notfällen sowie die Entlastung des Rettungswesens und der Krankenhäuser. Zudem können durch die flächendeckende Schließung der künstlichen Kletteranlagen und unterschiedlichen Einschränkungen in den Bundesländern beliebte Kletter- und Wanderziele so stark frequentiert sein, dass auch ein Infektionsrisiko besteht.

Wer denkt, dass bei einer Bergtour das Virus nicht verbreitet werden kann, liegt falsch. Tatsächlich steht einer Bergtour oder Wanderung zunächst nichts entgegen, solange man alleine oder nur innerhalb der jeweiligen häuslichen Gemeinschaften unterwegs ist. Anders sieht es aus, wenn Wanderungen überlaufen sind. An den oftmals kleinräumigen Gipfeln kommen sich die Menschen zwanglsäufig näher als es sein sollte. Am Weg dorthin sind viele nach oben unterwegs, andere gehen bergab. Wer aneinander vorbei will, muss den Sicherheitsabstand verletzen, weil Bergwege oftmals schmal sind.

Für Kletterer liegt es natürlich nahe, auf die Kletterfelsen in den deutschen Mittelgebirgen auszuweichen. Wie bei den Bergouren lautet aber der Appell: Bitte geht nicht klettern! Die Gründe sind die gleichen wie beim Bergwandern. Im Frühjahr drängen sich die Kletterer an den sonnigen und bekannten Felsen umso mehr, weil eben die Hallen und künstlichen Outdoorkletteranlagen, wie unser Kletterturm in der Schlierer Straße, geschlossen sind.

Der DAV gibt auch zu bedenken, dass zum einen der Aufwand pro Rettung wegen der Pflicht zum Einsatz von Infektionsschutz-Ausrüstung erheblich größer ist und zum anderen einzelne Covid-19-Infizierte ganze Rettungsteams in Quarantäne zwingen können. Das alpine Rettungssystem steht in Corona-Zeiten bereits bei wenigen Einsätzen erheblich unter Druck. Hinzu kommt die zusätzliche Belastung der Krankenhäuser. Es ist daher eine Frage der gesellschaftlichen Solidarität, ob Freizeitunfälle in Krisenzeiten die Belastung des Gesundheitssystems erhöhen sollten. Den trotz sorgfältiger Planung und Können sind Bergsportler/innen gegen Fehleinschätzungen, Blackouts oder einfach nur Pech nicht gefeit.

Da wir in Oberschwaben sehr nahe an der bayerischen Grenze (Allgäu!) liegen und diese Tatsache dazu verleitet, auf die bayerischen Hausberge auszuweichen, nachstehend ein Hinweis auf die rechtliche Situation im Bundesland Bayern: "Das Verlassen der eigenen Wohnung ist nur aus triftigen Gründen erlaubt. Zu diesen triftigen Gründen gehören zwar "Sport und Spazierengehen an der frischen Luft", allerdings heißt es auch in der Empfehlung des bayerischen Innenministeriums: "Unter dem Aspekt des Gemeinwohls möchten wir Sie bitten, zuhause zu bleiben bzw. Bewegung an der frischen Luft in der umittelbaren Umgebung durchzuführen. Es wird dringend davon abgeraten, Ausflüge in die Berge zu unternehmen."

Damit wenigstens diese "Freiwilligkeit" bestehen bleibt, appelliert der DAV an die Bergsportgemeinde, sportliche Aktivitäten nur in der Nähe der eigenen Wohnung zu betreiben. Mit überfüllten Wanderparkplätzen tun wir uns also selbst keinen Gefallen.

In diesem Sinne erfreuen wir uns am Joggen, Spazierengehen oder Radeln an der warmen Frühlingsluft und vielleicht auf ein entferntes, aber in Zeiten von Skype & Co. immerhin persönliches "Hallo, wie geht's".